Am 12. März 2011 machte sich klein Katrin auf große Reise ins Minikaff Fritzlar irgendwo bei Kassel in Hessen.
Da ich keinen Führerschein besitze ging es dorthin mit der allseits geliebten Deutschen Bahn. Fritzlar ist ca. 300km von Leipzig entfernt. Ohne Auto hatte ich dennoch für Hin- und Rückfahrt eine läppische Reisezeit von ca. 13 Stunden.
Warum machte ich das? Und mopste zudem ca. 200 Euro aus meinem Bafoeg Rückzahlungsdepots? Und nahm in Kauf diverse Rennen der Biathlonweltmeisterschaften nicht verfolgen zu können?
Ich gehe kurz etwas zurück…
Es war an einem Dezemberabend 2003 im schönen Wien. Nachdem ich zwei ortsansässige (!!!) Herren mit Hilfe einer Karte durch das Wiener Einbahnstrassengewirr geleitet habe, besuchten wir das Theater an der Wien und schauten uns das “Elisabeth” Musical an. Klein Katrin totally hyper drüber(guggt auch grundsätzlich an Weihnachten, auch wenn kaum vergleichbar, alle Sissi Filme – ja ich hab nen Schaden und steh dazu). Lest den Abschnitt Me, Myself and I und vielleicht könnt Ihr Euch denken, warum ich eine leichte Verbindung zu Elisabeth empfinde.
Ok das war nu nur Vorgeplänkel, wir befinden uns schließlich 7 Jahre später Anfang 2011 und ich sitz in einer sehr ruhigen Schicht auf Arbeit und es dürstet mich nach Musik – wo geht der strebsame Angestellte da hin – richtig YouTube. Und als ich so überlegte, was ich mir den anhören könnte – schoss mir aus welchen Gründen auch immer das Elisabeth Musical durch den Kopp und schon tippte ich – da ich pingelig bin suchte ich auch direkt nach der Wiener Aufführung. Playlist erstellt, Kopphörer rein, fröhlich vor mich hingearbeitet… ich hatte Spätschicht, die Managerriege verließ das Schiff, also Videos nich nur hören sondern auch anguggn bedeuetet das (es war wirklich nichts los in DeCA World). Und während ich mir so die Videos mit lustigen japanischen Untertiteln anschaute, kam mir die Frage, was macht denn der Tod heute so? Tante Google und Schwester Wikipedia hatten die Antwort und schwupps fand ich mich auf dem Kamarás vs. Loeber YouTube Channel wieder. Der Rest ist Geschichte… lol.
(Kurz sei an dieser Stelle erwähnt, dass mir die Kinnlade mächtig nach unten klappte als ich Anfang Februar Wetten, dass…?! sah und Lucheni dort als Udo Lindenberg rumhampelte… ich war kurz vor dem nervlichen Zusammenbruch, denn Lucheni in Elisabeth hat jetzt für mich immer einen Lindenberg Touch *heul*).
Ich machte mich also am 12. März auf Richtung Bahnhof um meine große Reise anzutreten. Natürlich ist es das WE wo der Leipziger Hauptbahnhof mal schnell zugemacht wird um was ultra wichtiges für den noch ultra wichtigeren 4 Stationen City Tunnel einzustellen. Für mich hieß das, Politik verfluchen, meinen Steuern hinterher trauern und in einen Schieneersatzverkehrbus nach Halle, Saale einsteigen. In Halle dann zum IC nach Braunschweig, der so schön leer war. In Braunschweig hieß es dann umsteigen in den ICE nach Kassel. Ich hätte mich mal lieber vorher informieren soll, von wo nach wohin dieser ICE denn fährt. Vermutlich hätte ich in eine Sitzplatzreservierung investiert. Der Zug fuhr von Berlin nach München und so voll war der dann auch. Brutal Alternative in Studentenmanier suchte ich mir ein hübsches Plätzchen aufm Fussboden direkt an der Tür, mitten im Gang. Ich begann mir selbst die Frage zu stellen, warum in aller Welt ich mir dies grad antat… Kurz an den Tod Máté gedacht, und Klaviermusik von Marcus im Player gesucht – alles wieder gut.
Natürlich musste es ja auch Probleme geben… in diesem Fall ein puttes Kabel und der Zug wurde umgeleitet, ich hoffte nur inständig, dass ich rechtzeitig in Kassel war um den Bus nach Fritzlar zu bekommen. Auf nichts weniger hatte ich Lust als noch mal zwei zusätzliche Stunden in Kassel zu fristen.
Während ich so aufm Boden saß, gingen ja die wundersamsten Menschen an mir vorbei – zum einen die, die aus mir unerfindlichen Gründen, Speiß und Trank im Boardrestaurant erwerben, ick mein, is ja vielleicht a bissi teuer wa? Oder einen Vater mit seinen zwei blond gelockten Söhnen. Und das muss ich erzählen. Also jedes vernünftig erzogene Arbeiter- und Bauernkind (so wie ich) lernt ordentlich zu fluchen, weil dann gehts einem ja besser, ne. Nu die Klasse der Intelligenz ist das scheinbar nicht so Gang und Gebe… denn der eine Lockenkopf machte seinen Frust über die Umleitung des Zuges mit einem klaren “Dieser idiotische Zug” Luft. Selbiger Junge war sogar so freundlich seinen Papa zu fragen, ob er denn mal den Monitor neben der Tür mit den Zuginfos anfassen dürfe. Der Vater antwortete mit einem gehobenen “Du darfst”. Ich habe innerlich einen Headdesk und Facepalm nach dem anderen gemacht. Also zunächst mal, heisst das mindestens “Dieser verdammte scheiss drecks zug” (in dem Alter, hoffen wir mal, dass sich Fuck noch nicht so eingebürgert hat – ich hätte es natürlich ausgiebig verwendet) und dann fragt man nicht ob man das anfassen darf, sondern macht einfach. :P
Ich bin dann rechtzeitig in Kassel angekommen um eine knappe Stunde mit einem Bus durch Landstrassen zu tingeln und dann endlich mal in Fritzlar anzukommen. Glücklicherweise ist das Kaff (sorry) recht übersichtlich und ich konnte mein Hotel schnell finden um dort vor verschlossener Tür zu stehen. Renner. Aber ich bin ja vorbereitet und zückte mein Cheat Sheet mit den wichtigen Telefonnummern und rief an. Man würde mir die Türe sogleich öffnen. Es passierte tatsächlich und ich kam in meinem Kämmerchen an. Sogar mit TV und Digital Receiver. Leider ohne Fernbedienung für letzteren und somit war ich verdammt irgendeinen “Reality” TV Quatsch auf RTL zu sehen, denn die Ruhe war unerträglich (Ich = Grossstadtkind). Ich machte mich also fertig, packte Showercapüs sowie Sonnenbrille ein und mit dem Wegesplan im Kopf ging es auf den Weg. Dummerweise musste ich tatsächlich mein Smartphone bemühen um das Scala Varieté zu finden – mit langsamster Handyinternetgeschwindigkeit wo gibt. Ein weiterer Brüller. Ich war verwirrt als ich nach noch nicht mal wirklich 5 Minuten vor der Location stand, mit dem Plan im Kopp und Zeiten die ich dafür in Leipzig brauchte, habe ich mit 20min gerechnet. o.O Daher war ich auch viel zu zeitig und lief noch ein Weilchen rum in der Hoffnung vielleicht doch noch irgendwas interessantes zu sehen. Leider haben schon als ich um 4 ankam die Geschäfte zugemacht (*headdesk*) und trottete daher zum Hotel zurück, völlig aus der Puste wegen der Berge (Leipzig liegt in der Leipziger Tieflandsbucht und alles über 1% Steigung ist Berg).
Gegen 18.45 war ich dann wieder an Location und so langsam trudelten auch andere ein und diverse Facebook Bekanntschaften hab ich nun auch mal in Real Life kennengelernt. 19 Uhr war Einlass und meine Wenigkeit gleich als erstes drinnen und mit Karte in der Hand in den Saal, wo man noch persönlich von der Betreiberin an den Tisch geführt wurde. Ich saß dann mit meinen Facebookbekanntschaften an einem Tisch links der Bühne (im übrigen gleich neben Herrn “Prima” und Frau “Sie wars”. Letztere erklärte den Herren auf der Bühne später zudem wie man am günstigsten die Jacketts verwendet um einen auf Bernd das Brot zu machen)und wir harrten der Dinge, die da kommen. Wir entdeckten weitere Facebookgesichter und bestellten Speiß und Trank. Natürlich kann man im Kaff nicht erwarten, dass die wissen wie ein vernünftiger Tequila Sunrise gemixt und das ein Longdrink vorzugsweise auch in einem größeren Glas serviert werden kann. Den Strohhalm musst ich auch noch nachbestellen und musste mich echt zurückhalten nicht auch noch nach dem praktisch nicht vorhanden Alkohol in meinem Getränk zu fragen. Meine Herrschaften.
Wegen der Situation in Japan und der engen Beziehung zu dem Land fragten sich die Fantische bereits im Vorfeld ob und wie die Show wirklich ablaufen würde. Trotz den unerfreulichen Nachrichten den ganzen Tag über lieferten beide eine super Show, die die Fans begeisterte.
Ich möchte kurz auf meinen Helden Berndi das Brot zu sprechen kommen, die Imitation war nicht ganz so gelungen, schon alleine weil das “Mist” fehlte. Berndi sagt immer “Mist” und das Muster der Raufasertapete hat auch keiner auswendig gelernt. Dennoch als Berndi Liebhaber, war ich total hin und wech.
Aufgrund des ausführlichen Studiums diverser YouTube Videos hatte ich leichte Bedenken einen Robbie Williams Song zu Ohren zu bekommen – nicht gesungen von Robbie. Auch wenn der Máté das in den Videos immer gut hinkriegt (ok richtig gut, bisher hab ich jeden verflucht, der einen Robbie Song angefasst hat und war auch bei den Videos dabei innerlich einen Fluch nach dem anderen zu schicken, aber Máté is ja kein langweiliger Pop Idol Hannes und ich fluchte schnell nicht mehr), durchlebe ich bei sowas immer Krisen. Weil Robbie is Robbie (seit 1993 my man :D ) und da kann nich einfach jeder Robbie singen, weil das fällt aus, wegen is nich und entertainen kann schon mal kaum einer so wie Robbie, es ist meist langweiliger Abklatsch – nich mal irgendwie individuell anders, sondern einfach grottenschlecht. Es kam kein Robbie Song, ich war erleichtert. (An dieser Stelle dennoch ein Rat: Singt man Robbies Come Undone im deutsch sprachigen Raum, heisst das “So self-aware, so full of scheisse”).
Es gab auch eine Pause, in der plötzlich Kinder auftauchten und arbeiteten. Jugendschutz – was ist das? Besonders gut machte der junge Mann seinen Job, der als Plakathalter abgestellt wurde. Wie sich herausstellte, gehörten diese Kinder zum Familien- und Bekanntenkreis. Ein Mädel namens Gloria stand auch plötzlich bei uns am Tisch und meinte, wenn wir Autogramme wöllten, sollten wir ihr das sagen und dann geht sie zu ihrem Papa und sagt Bescheid. o.O
Wie wir dann erfuhren ist Gloria Marcus’ Tochter, die im Alter von 3, mit Cola zugedröhnt auf Malle “Anton aus Tirol” zum besten gab. Marcus informierte uns darüber in der Show. Mir stellte sich unweigerlich die Frage, welche Musik wird den Kindern im Hause Loeber näher gebracht? Woher kannte das Kind diesen Song? Und warum konnte es dies bereits mit 3 singen? Um einen Schwank zum besten zu geben… In etwa dem gleichen Alter trällerte ich “Life is Life” von Opus – völlig Koffeinfrei.
Jedenfalls kam Gloria, mittlerweile weit aus älter als 3, wieder und teilte uns mit, wir sollen doch nach der Show einfach “da rüber” kommen – gemeint war das Verkaufskabuff im Saal. Mir stellte sich weiterhin die Frage: Was denkt das Kind von Erwachsenen, die total crazy auf ne Unterschrift und ein Foto mit ihrem Papa und Onkel Máté sind? Steht sie auch auf einen Star – Justin Bieber vielleicht? Weiterhin nehme ich an, würde auch sie über die Deutsche Bahn mit “Dieser idiotische Zug” fluchen.
Aus dem zweiten Teil der Veranstaltung möchte ich El Burito hervorheben oder besser dessen Shirt. “I escaped Windows” unter einem Escape Key – Ich mein wie geil ist das denn???? Ich wollte dieses Shirt sofort haben, glücklicherweise bin ich nicht ganz crazy und blieb brav auf meinem Platz anstatt auf die Bühen zu stürmen und das Shirt vom eh nur wenig bekleideten Máté El Burito zu entwenden. Dennoch möchte ich noch immer dieses Shirt muss auch noch nicht mal gewaschen sein.
Wiederum kamen mir Fragen in den Sinn. Ist die Aussage auf dem Shirt wahr? Und wenn ja, was benutzt Máté El Burito denn dann? Ich tendiere zu einem MacBook (*iiiiiiiiks Apple*), wäre aber absolut hoch erfreut sollte es tatsächlich eine Linuxdistribution sein.
Auch taute der Omitisch hinter uns während des zweiten Teils hörbar auf… Die hatten auch ne Menge Alkohol, die Glücklichen.
Leider geht alles einmal zu Ende und so auch die Show. Wir nahmen Gloria beim Wort und begaben uns zum Verkaufskabuff. Wir trafen auch die Gewinnerin der Showercapü Competition (Petra) und signierten alle ein Dinoei für Marcus und Máté. Und da schlüpft dann auch wirklich ein Dino raus, wahrscheinlich ein grasfressender, ungefährlicher T-Rex.
Marcus und Máté kamen dann auch wenig später, von Japansituation ziemlich mitgenommen aber dennoch zeitaufbringend. Der schüchterne Teil meiner Persönlichkeit befand sich im Kampf mit dem Fangirlyteil und gewann, war ja klar. Daher gibt es auch kein hübsches Bild von mir mit Marcus und/oder Máté, nur ein ziemlich dämliches, wo ich mich einfach neben Máté hinstellte und Gaby mein Handy gab und sagte, sie solle einfach abdrücken und so siehts auch aus – und ich dazu noch dümmlich grinsend und grauenhafter Farbgebung meines Haares.
Die Gruppe um Petra, Gaby und ich wollten dann noch was trinken gehen, fanden im Kaff aber natürlich nix was offen hatte und gingen zu Petra ins Hotel, und genehmigten uns ein bissl Ramazotti mit Cola – und endlich schmeckte auch ich Alkohol.
Wir quatschten noch ein bissl und ich erfuhr mehr über die Florian Silbereisen Prinz Eisenherz Geschichte. Daheim habe ich mich dann auch gleich auf YouTube schlau gemacht und musste Brechreiz am Anblick von dem Typen als Tod unterdrücken. Der Hammer schlechthin ist aber die Version von “Totale Finsternis” von Silbereisen und Bonny Tyler, vor allem in Anbetracht dessen, dass Grinsebacke sowohl den Graf als auch Sarah gibt. Zum davonlaufen, aber die Omis findens wahrscheinlich herzallerliebst.
Irgendwann landete auch ich in meinem Hotelbett und freute mich schon wieder auf ewiges Zugfahren nach Hause. Dazu musste ich auch den 9 Uhr Bus von Fritzlar, über Landstraßen, nach Kassel bekommen. Das bedeutete zeitig aufstehen, mutterseelenallein frühstücken (wie neidisch bin ich doch über das Frühstück der anderen Gruppe :D) und ab davon. Der Zug von Kassel nach Braunschweig, hatte natürlich erstmal hübsch Verspätung und versetzte mich in leichte Panik bezüglich meines Anschlusszuges, der mich diesmal gleich direkt nach Leipzig bringen sollte. Erfreulicherweise war auch der zu spät und ich bekam in dem ICE nach Leipzig wieder einen hübschen Fussbodenplatz diesmal auch gleich neben den Abfallbehältern an der Toilette. Waren ja nur 3 Stunden.
Endlich daheim, tummelte ich mich erstmal wieder fröhlich auf Facebook um den Rückstand meiner Spiele aufzuholen, man gönnt sich ja sonst nichts. Allerdings schlief ich dabei fast ein und entschied mich daher doch erstmal den restlichen Nachmittag zu schlafen. Ebenfalls wurden neue Facebookbekannschaften fällig mit denen dann auch gleich noch gechattet wurde. Gleichwohl fiel ich natürlich wie immer bei sowas in eine leidliche Depressionsphase, die aber schon wieder soweit überwunden ist. Ich hab ja was gelernt in meinen ewigen Therapien.
So bescheiden vor allem das Zugfahren auch war, bereue ich den Trip natürlich nicht. Leider konnte ich keine CD abfassen, schon gleich gar nicht die, auf der auch Videos drauf sind – wie Gloria anpries, denn ich hatte einfach kein Geld mehr, nur noch das, was ich brauchte um das Busticket nach Kassel zu zahlen und der Disporahmen war praktisch schon ausgeschöpft.

Marcus und Máté – Foto von Gaby
